Inge Meyer-Dietrich

Kinder- und Jugendbuchautorin

Ich will ihn - ich will ihn nicht ••

Roman
Textausgabe mit Materialien

Schramme nennen ihn sein Freunde. Ausgerechnet Schramme! Carolin wollte sich nicht mit ihm einlassen. Nicht mit diesem Typen, der so auf cool macht, immerzu mit Spott reagiert. Der sie wie ein Kind behandelt, nur weil er ein paar Jahre älter ist. Und der sich auch noch über ihr Engagement für die Allee lustig macht.
Aber ihre Gefühle sind stärker, und jetzt ist Carolins Leben eine endlose Achterbahnfahrt. Jedem Höhenflug folgt ein Absturz. War Schramme gerade noch zärtlich, ist er im nächsten Moment hart und verschlossen. Er verschwindet für Wochen, taucht wieder auf, tut, als wär nichts gewesen, und alles beginnt von vorn. Carolin weiß nicht, was sie machen soll.

2012 Schroedel Verlag, Braunschweig ••
ISBN 978-3-507-47048-4
Taschenbuch Texte.Medien, 224 Seiten
Ladenpreis € 6,50
Herausgeberin: Ingrid Hintz
Materialteil von Miriam Rautenberg
empfohlen für Jugendliche ab 13-14 Jahren und junge Erwachsene - ab Klasse 7/8

2002 Ravensburger Buchverlag
ISBN 978-3-473-54255-0
Taschenbuch Sonderausgabe, 224 Seiten
Ladenpreis € 4,95
empfohlen für Jugendliche ab 13-14 Jahren und junge Erwachsene — ab Klasse 7/8

Informationen für Lehrerinnen und Lehrer ••

Inge Meyer-Dietrich: Ich will ihn - ich will ihn nicht
2007 Schroedel Verlag, Braunschweig
Alle Bundesländer, alle Schulformen, ab Klasse 7/8
ISBN 978-3-507-47248-8
Ladenpreis € 7,00

Lesetagebuch ••

Inge Meyer-Dietrich: Ich will ihn - ich will ihn nicht
Lesetagebuch
Erarbeitet von Annett Giermann
2007 Schroedel Verlag, Braunschweig
Alle Schulformen, ab Klasse 7/8
ISBN 978-3-507-47348-5
Ladenpreis € 3,50

Thematik

Liebe, Freundschaft, Umwelt, Familie

Leseprobe

Er fuhr am Kanal entlang und hielt irgendwo weit draußen, wo es ganz einsam war. Sie gingen den schmalen Fußweg, durch raschelndes Laub, so, wie Carolin es sich gewünscht hatte. Aber dass er neben ihr gehen würde, das hätte sie sich bis heute Mittag noch nicht wünschen, ja nicht einmal vorstellen können. Bloß, was sollte sie mit ihm reden? Bis jetzt hatten sie fast nur über die Bäume gesprochen. "Jemand hat die Fotos an den Stellwänden kaputtgemacht." Schon während sie das sagte, fand sie sich idiotisch.
"Die großen Fotos?" fragte Schramme.
"Ja, und niemand von uns hat was gemerkt. Das müssen gerissene Typen sein."
"Die Transparente hat euch neulich ja auch jemand runtergeholt. Habt ihr Feinde?"
"Sieht so aus. wir haben schon einige Drohbriefe gekriegt."
"Hast du 'ne Ahnung, wer dahinterstecken könnte?"
"Ich weiß es nicht, aber ich würde es gerne wissen."
"Ist die Allee so wichtig für dich?"
"Ja", sagte sie leise, "am meisten der Baum vor meinem Fenster." Warum redete sie bloß dauernd von den Bäumen? Das wollte sie doch gar nicht!
Schramme wirbelte im Gehen ein paar Blätter auf. "Gefällt es dir hier?"
Carolin nickte.
Er nahm ihre Hand.
"Und du", sagte er schnell und so leise, dass sie es gerade noch verstehen konnte, "du hast mir von Anfang an gefallen. Gleich da oben im Baum."
Carolin wurde rot.
Schramme sah sie von der Seite an. "Herbstaugen hast du. Grün und gelb und hellbraun wie die Blätter." Er blieb stehen und bückte sich, hob ein Blatt auf und ließ es durch die Luft segeln.
Und deine Augen sind wie der Himmel heute. Blau, das in Grau übergeht. Ich darf nicht zu lange hingucken, sonst wird mir schwindelig.
Aber das sagte Carolin nicht, das dachte sie nur. Und noch viel mehr dachte sie, ein ganzer Flattervogelschwarm von Gedanken hatte sich in ihr verfangen und fand nicht heraus.
Lange Zeit gingen sie nebeneinander her, schweigend. Jetzt störte es Carolin nicht. Sie hätte immer weiter so mit Schramme am Kanal entlanggehen und mit den Füßen bunte Blätter aufwirbeln können. Ihre Hand in seiner Hand.
Plötzlich blieb Schramme stehen. Nahm ihr Gesicht in seine Hände. Küsste sie ganz vorsichtig auf die Lippen. Und dann ließ er sie genauso plötzlich wieder los und sah sie an, als ob irgend etwas ihn traurig machte. "Wir müssen langsam zurück", sagte er schließlich. "Ich hab einen Job. Da muss ich heute abend noch hin."
Einen Job? Am Samstag Abend? "Bist du Kellner oder Babysitter?", fragte Carolin und hatte doch eigentlich noch ganz andere Fragen.
"Weder noch. Ich spiel in 'ner Band. Und wir machen heute Musik in 'ner Kneipe."
Mehr sagte er nicht. Als ob er nicht wollte, dass sie mehr über ihn wusste. Und dass sie gern mitkommen würde, daran schien er überhaupt nicht zu denken.
Sie waren wieder bei seinem Motorrad. "Ich fahr dich nach Hause. Du wohnst doch in der Allee?"
"Du kannst mich am Goldbergbrunnen absetzen." Warum sagte sie das jetzt? Sollte es so aussehen, als hätte sie noch was vor? Mit Niki war alles anders. Viel einfacher. Aber Niki war auch eine andere Sorte Freund.
"Mach's gut", sagte Schramme, als sie am Goldbergbrunnen abstieg, "und fall nicht vom Baum, wenn du wieder mal Transparente aufhängst."
"Keine Angst. Und du pass auf, dass du heute Abend die richtigen Töne triffst."
Ihre Stimme klang nicht so lustig, wie sie klingen sollte.
"Mach ich", und dann leiser, "schön, dass du gekommen bist." Er sah sie an, als wollte er noch was sagen, mit dem Lachen in den Augen, aus dem sie nicht schlau wurde. Dann ließ er den Motor aufheulen. Schoss los.
Carolin sah hinter ihm her. Sie hatte keine Lust, nach Hause zu gehen. In ihr drin tat was weh. Der Schwarm von Flattervögeln war erschrocken.
Schramme. Sie wusste nicht mal, welches Instrument er spielte. Was wusste sie überhaupt von ihm? Was für Augen er hatte. Was für Haare. Wie ihre Hand sich in seiner anfühlte. Und dass er Schramme hieß. Ausgerechnet Schramme.

Besprechungen

Gefühlvoll, spannend und lebendig.
Dieses Buch hat mich die ganze Nacht wachgehalten. Ein Buch zum Mitleben, Mitlieben und Mitfühlen. Auch wenn es eigentlich ein Buch für Jugendliche ist, fühlt sich auch der erwachsene Leser herausgefordert und berührt. Mehr davon, bitte.
Anonymus in: Kundenrezensionen bei www.amazon.de, 04.06.2001

"Mit den Bäumen fing es an", über dieses Thema schreibt die 16jährige Heldin. Und plötzlich läuft vor ihren Augen ein Film ab, wie im Zeitraffer: Ein Film, der sie zum Hinschauen zwingt, der ein Jahr abspult, in dem plötzlich mehr passiert ist als bis dahin in ihrem Leben.
Die lebendig geschriebene Liebesgeschichte lebt von der Spannung zwischen den Hauptfiguren und ist mit weiteren Handlungssträngen verwoben, die nun einmal Carolins Leben ausmachen. Der Roman zeigt Gefühle, Probleme und Gedanken der Protagonisten aus verschiedenen Perspektiven. Sie werden hin- und hergerissen zwischen dem idyllisierenden Traum von großer erster Liebe und der banalen Wirklichkeit.
Ulrieke Ruwisch in: Süddeutsche Zeitung, 8.11.1995

Achterbahn der Gefühle Dass Liebe wehtun kann, merkt Carolin erst, als es zu spät ist. Da hängt ihr Herz schon total schief in den Angeln, auch wenn sie sich mit Händen und Füßen gegen Schramme wehrt. Was der schon für einen bescheuerten Namen hat! Und so ein blöder Motorrad-Typ ist er auch noch. Einer, der die Schule geschmissen hat, der nie da ist, wenn man ihn braucht. Aber zwecklos! Sie hat null Chance, gegen diesen Sog anzukämpfen. Da ist die irre Musik, die er spielt, da sind die Songs, die er für sie schreibt; und immer dieser Blick ... Carolin lässt sich von ihren Gefühlen mitreißen – ohne Rücksicht auf Verluste.
Eine packende Lovestory, die einen beim Lesen ganz schön kribbelig macht!
Unbekannter Autor in: Brigitte - Young Miss, Hamburg, 3/95

Die Autorin zeichnet kein Schwarzweißbild, arbeitet nicht mit Verurteilungen, sondern beleuchtet differenziert die Hintergründe und damit auch die Tragik, die den Geschehnissen zugrunde liegt. Dem durch und durch sympathischen, auch formal ansprechenden Jugendbuch wünsche ich möglichst viele LeserInnen.
Dorothee Dantes in: Informationsdienst für öffentliche Bibliotheken, Februar/März 95

Ich fand gut, dass die Geschichte überhaupt nicht kitschig geschrieben ist. Wie die beiden sich kennenlernen, zum Beispiel, und welche Probleme sie miteinander haben – so geht es wirklich zu, wenn man einen Freund oder eine Freundin hat.
Marion, 15 Jahre, in: Ich und Du, 10/95

Und wenn sich Carolin in dem Buch "Ich will ihn – ich will ihn nicht" von Inge Meyer-Dietrich ausgerechnet in den singenden und Gitarre spielenden Schramme verliebt, der so cool ist und scheinbar so arrogant, dann geht das ab, was wirkliche Liebe in jeder Altersstufe schon immer gewesen ist.
Klemens Kindermann in: Hamburger Abendblatt, 19.12.95

Mit Herz und Hirn erzählt. Ein Roman, bei dem jede(r) mitfühlen kann.
Unbekannter Autor in: Girl!, München, 10.1.96

Das Buch "Ich will ihn – ich will ihn nicht" von Inge Meyer-Dietrich aus dem Ravensburger Buchverlag handelt von Carolin und Schramme, die sich kennenlernen, als Carolin mit einem Freund Plakate aufhängt. Am Anfang findet Carolin den Schramme bescheuert. Doch als er sie später fragt, ob sie sich treffen wollen, geht sie hin. Und so fängt alles an ... Manchmal ist Schramme für Wochen nicht da, und auf einmal steht er wieder vor der Tür. Mal ist er nett, mal verschlossen, ironisch und mit seinen Gedanken ganz weit weg.
Aber lest doch einfach selbst, dann erfahrt ihr mehr über das Heiß und Kalt der Liebe.
Karin Kind, 15 Jahre, in: Teenie-Tips der Frankfurter Rundschau, 21.11.1995

Psychologisch einfühlsam sind die Charaktere geschildert. Gefühle sind ebenso wichtig wie kühle überlegung. Die Sprache ist leicht verständlich, locker und dem Sprachstil junger Leute angemessen, ohne dabei zu verflachen oder sich anzubiedern. Ein rundum gutes Buch, das menschliche Nähe und Wärme innerhalb von Konfliktsituationen vermitteln kann. Empfohlen für Jungen und Mädchen ab 13 Jahren.
R. Schmidt-Vogt in: Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien, NRW, 1995

Wer nicht nur 08/15 Liebesgeschichten lesen will, findet hier eine, die zugleich brisante, realistische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen fordert. Jugendlichen als Privatlektüre oder zum gemeinsamen Lesen und Diskutieren zu empfehlen!
H. Verloh in: Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien in der GEW, Hessen, 1995

Viele junge Menschen werden diese wechselnden Gefühle aus eigener Erfahrung kennen und sich mit Carolin identifizieren können. Die Autorin hat diese Liebesgeschichte mit aktuellen Umweltproblemen verknüpft und so einen zusätzlichen Spannungsbogen eingebracht. Einen besonderen Stellenwert haben die in Kursivschrift gesetzten Briefe Carolins an ihren verstorbenen Vater. Ganz offen spricht sie darin über ihre Gedanken und Gefühle und setzt damit ein gutes Gegengewicht zum dialogreichen Erzählstrang.
M.L. In: Kommission für Schul- und Gemeindebibliotheken des Kantons Luzern, 8.3.95


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